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Industrie profitiert vom sinkenden Stromhandelspreis - Privatkunden zahlen mehr für Energie - Fossile Brennstoffe als Preistreiber

Die Handelspreise an der Strombörse fallen seit dem Atomausstieg kontinuierlich. Bereits 2013 sank der durchschnittliche Stromhandelspreis an der EEX auf das Niveau von 2005, mittlerweile ist er weiter gesunken. Industriekunden haben dadurch seit 2011 immer größere Kostenvorteile, die noch günstiger ausfallen, wenn sie inflationbereinigt betrachtet werden. Paradox: Obwohl der Stromhandelspreis immer weiter sinkt, wird die Belastung für private Stromkunden steigen. Hintergrund: Stromversorger geben den Preisvorteil des Handelspreises nicht an ihre Kunden weiter. Netzbetreiber sind verpflichtet, den Ökostrom zu einem sehr hohen, festgelegten Strompreis zu kaufen und an der Börse zu einem meist deutlich niedrigeren Preis zu vermarkten. Die entstehende Differenz bekommt der Netzbetreiber aus der Ökostrom-Umlage. Sinkt der Börsenpreis für Strom, dann wird der auszugleichende Differenzbetrag größer.


Entwicklung des Börsenstrompreises für Mittelspannungskunden 2002-2014 (Grafik: VIK, Stand: Juni 2014)

Börsenstrompreis für Futures seit 2008 um 60 Prozent gefallen

Daten der Strombörse EEX zeigen, dass die Voraus-Strompreise (Futures) für die nächsten sechs Jahre sich ebenfalls im Sinkflug befinden. Im Vergleich zu Juli 2008 sind die durchschnittlichen Futures-Preise im Juli 2013 um fast 60 Prozent gefallen. Erstmals sank jetzt auch der Preis zur Jahreslieferung von Grundlaststrom für das Jahr 2019 mit 3,965 Cent pro Kilowattstunde (kWh) unter die Marke von 4 Cent, Damit sind nunmehr alle Terminmarktkontrakte zur Jahreslieferung von Grundlaststrom zwischen 2014 und 2019, d.h. für die nächsten sechs Jahre, unter die 4-Cent-Marke gefallen. "Nach dem Ausstieg aus der Atomenergie im Jahr 2011 sind die Strompreise für Großabnehmer entgegen der allgemeinen Erwartung nicht rasant gestiegen, sondern im Mittel um über 40 Prozent gesunken", sagte IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch.

Erhöhung von EEG-Umlage 2013, KWK-Umlage, Offshore-Umlage

Seit 2013 Anstieg der EEG-Umlage um 1,73 auf 5,277 Cent pro Kilowattstunde.
-die Kraft-Wärme-Kopplungsumlage steigt um 0,15 Cent pro kWh
-Abgabe Offshore-Anbindung 0,25 Cent pro kWh EEG-Umlage 2013 (Bundesnetzagentur)

Fossile Brennstoffe als Preistreiber

Die Energiepreise werden allerdings – auch ohne Ausbau der Erneuerbaren Energien – ansteigen. Ursache sind vor allem die knapper und teurer werdenden fossilen Ressourcen. Der Anstieg der Öl- und Gaspreise zeigt, wie wichtig es ist, von Energieimporten unabhängig zu werden. So ist der Preisbestandteil für Strom „Energiebeschaffung und Vertrieb“ allein zwischen 2010 und 2011 um 0,3 Cent/kWh gestiegen. Das Schleswig-Holsteinische Energieministerium hat sich mit den Ursachen in seinem Bericht befasst und kam zu folgendem Ergebnis: Als größtes Risiko für steigende Energiepreise identifiziert der Bericht die Abhängigkeit von sich verknappenden fossilen Brennstoffen. So stiegen die Preise für Heizöl von 1988 bis 2012 um 280 Prozent, bei Gas um 110 Prozent und bei Strom um 50 Prozent. Folglich ist vor allem Wärme teurer geworden. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien hat einen vergleichsweise geringen Anteil von weniger als einem Drittel (29 Prozent) am Strompreisanstieg.

Entwicklung und Auswirkungen der Energiepreise (Energieministerium Schleswig-Holstein)